Gespräche mit den USA: Was kann der Iran erreichen?
Das iranische Regime sucht nach einem Ausweg aus der aktuellen sicherheitspolitischen Sackgasse. Am Freitag soll der iranische Außenminister Abbas Araghtschi zum ersten Mal direkte Gespräche mit den Vermittlern von US-Präsident Donald Trump, Steve Witkoff und Jared Kushner, in Oman führen.
Im Zentrum der Gespräche könnte ein Vorschlagspaket stehen, das zuvor in Russland ausgearbeitet wurde, berichteten am 4. Februar die iranischen Zeitungen Jamaran und Entekhab unter Berufung auf Russia Today. Demnach könnten diese Vorschläge sowohl für den Iran als auch für die Vereinigten Staaten akzeptabel sein.
„Diese Berichte wurden bislang nicht von iranischen Quellen bestätigt und können in einzelnen Details von den tatsächlichen Vorschlägen abweichen. Aus iranischer Sicht erscheinen sie jedoch grundsätzlich akzeptabel und scheinen im Rahmen des Besuchs von Laridschani in Moskau abgestimmt worden zu sein“, sagte Hamidreza Azizi, Experte für iranische Außen- und Sicherheitspolitik und Gastwissenschaftler bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin, im Gespräch mit der DW.
Ein „Win-Win-Win“-Spiel für Moskau?
Azizi verwies dabei auf die Reise des Vorsitzenden des iranischen Nationalen Sicherheitsrats, Ali Laridschani, der am 30. Januar 2026 bei einem nicht angekündigten Treffen mit Wladimir Putin im Kreml zusammenkam.
Russland wolle, wie andere Staaten der Region, einen für die Region destabilisierenden Krieg verhindern und habe stets betont, dass der Iran keine Atomwaffen besitzen dürfe, da dies nicht den eigenen Interessen entspreche, so Azizi.
„Zugleich sieht Moskau die aktuelle Lage als besonders günstigen Moment, der einen dreifachen Gewinn verspricht: Erstens würde ein geschwächter Iran stärker an Russland gebunden, zweitens käme Moskau US-Präsident Trump politisch entgegen und würde ihn unterstützen, einen Deal zu erzielen, und drittens versucht der Kreml, den Einfluss Europas nicht nur im Iran-Dossier, sondern im gesamten Nahen Osten weiter zu marginalisieren und europäische Akteure als politisch bedeutungslos darzustellen.“
Russland soll unter anderem vorgeschlagen haben, dass der staatliche russische Konzern Rosatom die begrenzte Urananreicherung für zivile Reaktoren im Iran überwacht und kontrolliert. Ziel wäre es, sicherzustellen, dass die Anreicherung strikt innerhalb der vereinbarten Grenzen bleibt.
Ein zentraler Punkt bei den Verhandlungen dürfte der Verbleib von laut Schätzungen rund 400 Kilogramm hoch angereichertem Uran (60 Prozent) sein, das seit den US-Angriffen auf iranische Atomanlagen im Juni im Mittelpunkt der Streitigkeiten steht.
In Teheran berichtete der Journalist Hadi Mohammadi, der seit Jahren über das Atomprogramm schreibt und Zugang zu internen Quellen hat, auf seinem Twitter-Account: „60 Prozent angereichertes Uran wurde als Verhandlungsmasse für die Aufhebung der Sanktionen hergestellt. Das Material könnte verdünnt werden.“ Ob Russland daran beteiligt sein sollte, ist nicht bekannt.
„Es geht nicht mehr um das Atomprogramm“
Laut dem Wall Street Journal könnten die Gespräche – falls sie nicht abbrechen – in zwei Verhandlungsstränge aufgeteilt werden: Einer würde sich mit Irans Atomprogramm befassen, der andere mit einem breiteren Themenkomplex, darunter die Forderungen der USA nach Einschränkungen des iranischen Raketenprogramms.
„Aus meiner Sicht liegt der zentrale Streitpunkt zwischen dem Iran und den USA im iranischen Raketen- und nicht mehr im Atomprogramm“, sagt Azizi. Der Iran droht Israel mit Vernichtung und besteht aber gleichzeitig darauf, nicht auf seine Verteidigungsfähigkeit verzichten zu wollen.
Der Kreml soll laut iranischen Medien vorgeschlagen haben, Garantien vorzusehen, dass das iranische Raketenprogramm nicht für Angriffe gegen Israel oder die Vereinigten Staaten genutzt wird.
Russlands Präsident Wladimir Putin hatte sogar Mitte Januar angekündigt, bereit zu sein, zwischen dem Iran und Israel zu vermitteln. Laut Azizi versuche Putin, Russlands Einfluss im Nahen Osten neu zu definieren und wiederzubeleben, der durch den Krieg in der Ukraine teilweise geschwächt wurde.
Ob ein Garantieversprechen für Israels Sicherheit akzeptabel sein könnte, bleibt die entscheidende offene Frage.
Ein Abkommen aus purer Notwendigkeit
Kurz vor dem Start der Verhandlungen drängt US-Außenminister Marco Rubio auf Zugeständnisse aus Teheran. Damit die Gespräche tatsächlich zu einem „sinnvollen Ergebnis“ führten, müssten etwa die Reichweite der ballistischen Raketen, die Unterstützung terroristischer Organisationen, das Atomprogramm und der Umgang mit dem eigenen Volk beachtet werden, sagte er am 4. Februar.
„Präsident Trump versprach den iranischen Demonstranten Hilfe. Er hat nichts getan“, erklärte Fawaz Gerges, Nahostexperte und Professor für Internationale Beziehungen an der London School of Economics, gegenüber der DW. „Jetzt haben sich die Ziele geändert.“
Es gehe nur noch um Atomwaffen und ballistische Raketen sowie darum, Irans Unterstützung für regionale Verbündete und Stellvertreter zu beenden. „Es geht also um Geopolitik“, fasst Gerges zusammen.
Nach dem Ausbruch der jüngsten Protestwelle im Iran Ende Dezember hatte US-Präsident Donald Trump den Demonstrierenden Unterstützung in Aussicht gestellt. Hilfe sei auf dem Weg, schrieb er auf Truth Social. Am Wochenende zeigte er sich jedoch zuversichtlich, dass mit der iranischen Führung eine Einigung erzielt werden könne.
„Ich bin skeptisch, was die Erfolgsaussichten, die Dauerhaftigkeit und die tatsächliche Wirkung eines möglichen Abkommens in der aktuellen Phase betrifft“, sagt Hamidreza Azizi als Experte für iranische Außen- und Sicherheitspolitik.
„Der Iran strebt ein Abkommen aus purer Notwendigkeit an, um kurzfristig einen Krieg zu vermeiden. Oberste Priorität haben Sicherheitsfragen und der Erhalt des Regimes. Ziel ist letztlich ein Abkommen, das eine militärische Option oder die Drohung mit einer solchen ausschließt.“
Einen grundlegenden Wandel in der iranischen Außenpolitik werde es unter dem religiösen Führer Ayatollah Chamenei nicht geben.
Die Gräben zwischen den USA und dem Iran sind so tief, dass eine militärische Eskalation jederzeit möglich ist. Die USA haben in den vergangenen Wochen Flugzeugträger, Kriegsschiffe, Kampfflugzeuge und Truppen in die Region verlegt.