Bahngewerkschaft fordert Reformen nach tödlichem Angriff
Der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Martin Burkert, sieht Bund und Länder in der Pflicht, die Sicherheit in Zügen und an Bahnhöfen zu erhöhen. „Sicherheit ist nicht verhandelbar“, sagte Burkert im Zweiten Deutschen Fernsehen. Er forderte als Konsequenz aus dem tödlichen Angriff auf einen Bahnmitarbeiter in Rheinland-Pfalz, dass in Nahverkehrszügen die Bundesländer künftig immer mindestens zwei Zugbegleiter an Bord vorschreiben und im Fernverkehr Bundespolizisten mitfahren.
Die Innen- und Verkehrsminister von Bund und Ländern in Deutschland gehörten dringend an einen Tisch, um zu beraten, wie das zu finanzieren sei. Aus seiner Sicht würden auch Bodycams für Zugbegleiter und Notfallknöpfe an den Handys der Mitarbeiter helfen. Zugangskontrollen an Bahnhöfen hält Burkert für nicht praktikabel.

Täter attackierte Zugbegleiter bei Fahrscheinkontrolle
Bei der Fahrkartenkontrolle in einem Regionalexpress der Deutschen Bahn war der 36-jährige Serkan C. am Montagabend auf der Fahrt zwischen Landstuhl und Homburg von einem Reisenden ohne Fahrschein mit mehreren Faustschlägen gegen den Kopf attackiert worden. Der Bahnbedienstete starb an seinen Verletzungen. Todesursache war laut Obduktionsergebnis eine Hirnblutung als Folge von stumpfer Gewalt gegen den Kopf.

Ermittler gehen weiter den noch offenen Fragen nach. So werten sie unter anderem Videoaufzeichnungen aus dem Zug aus, in dem es zu der Tat gekommen war. Das genaue Motiv ist weiter unklar, der Verdächtige schweigt bislang.
Der mutmaßliche Täter, ein Grieche, der nach eigenen Angaben seinen Wohnsitz in Luxemburg hat, wurde kurz nach der Tat in Homburg festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war er der Polizei in Deutschland zuvor nicht aufgefallen, er habe keine Vorstrafen.
Allgemeines Entsetzen
Die Eisenbahn-Gewerkschaft EVG gedachte des Getöteten am Mittwoch in einer Schweigeminute. Auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) nahm daran teil. Er äußerte sich nach der Gewalttat entsetzt, ebenso wie andere Politiker. Es sei furchtbar, dass ein Kundenbetreuer bei der normalen Ausübung seiner Arbeit durch „rohe und sinnlose Gewalt“ getötet werde, erklärte der aus Rheinland-Pfalz stammende Schnieder. Alle staatlichen Ebenen seien nun gefragt, um die steigende Gewaltbereitschaft einzudämmen.

„Ich bin bestürzt, erschüttert und tief betroffen vom Tod des Schaffners“, teilte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) mit. Er forderte „entschiedene Konsequenzen“ für zunehmende Gewalt gegen Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes und anderer Dienstleister und zudem härtere Strafen.
Deutsche Bahn: „Hemmschwelle für Gewalt sinkt kontinuierlich“
Die Deutsche Bahn zählte im vergangenen Jahr mehr als 3000 Angriffe auf Bahnpersonal. Das seien rund acht pro Tag, teilte ein Sprecher des Konzerns mit. Die Tendenz gegenüber 2024 sei gleichbleibend auf hohem Niveau, die Hälfte der Angriffe betreffe das Zugpersonal im Regionalverkehr. „Leider nehmen Übergriffe auf unsere Mitarbeitenden seit Jahren zu, genauso wie auf Angehörige von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten. Die Hemmschwelle für Gewalt in unserer Gesellschaft sinkt kontinuierlich“, erklärte der Sprecher weiter.