23. Januar 2026

Von den Wikingern bis zu Trump: Die Geschichte Grönlands

Von Admins

Bevor Donald Trump sein Interesse an der Insel am Polarkreis bekundete, stand sie nicht gerade im Fokus der weltweiten Aufmerksamkeit. Mit dem Beharren des US-Präsidenten darauf, dass „wir Grönland haben müssen“, hat sich das geändert. Es ist nicht das erste Mal, dass die abgeschiedene Insel Begehrlichkeiten weckt. Aber der Reihe nach.

Frühe Einwanderer und ein Wikinger

Vor rund 4500 Jahren lassen sich die ersten Menschen auf Grönland nieder. Sie kommen vom nordamerikanischen Kontinent. Im 12. Jahrhundert werden sie allmählich von asiatischen Einwanderern, der Thule-Kultur, verdrängt, die von Sibirien aus über die Beringstraße auf die Insel gelangen. Ihre Nachfahren sind die Inuit, von denen die meisten der heute 56.000 Grönländer abstammen.

Ihren Namen verdankt die Insel einem Wikinger: Erik dem Roten. Wegen Totschlags wird er um das Jahr 982 aus Island verbannt, so ist es schriftlich in der Vinland-Saga überliefert. Er und seine Weggefährten segeln auf ihren Drachenschiffen nach Westen und landen auf der arktischen Insel. Um mehr Siedler anzulocken, nennt er sie Grönland – grünes Land. Tatsächlich ist die Insel, als die Wikinger sie besiedeln, zumindest an den Küsten grün.

Historische Landkarte zeigt grüne Küste
Historische Landkarte GrönlandsBild: United Archives/picture alliance

Rund 400 Jahre halten sich die Niederlassungen der „Grænlendingar“, danach hört man nichts mehr von ihnen. Die Inuit sind wieder unter sich. Aber in den nordischen Ländern kursieren weiter Geschichten von den Nordmännern und -frauen, die tief in den südlichen Fjorden Grönlands leben und über große Reichtümer verfügen sollen.

Wie ein Pastor die dänische Kolonialisierung einleitete

Dies kommt auch dem norwegischen Pastor Hans Egede zu Ohren. Er will die sagenumwobenen Wikinger finden. Am 3. Juli 1721 legt sein Boot nach zweimonatiger Seereise in Grönland an.

Doch anders als erhofft stößt der Kirchenmann nicht auf die verschollenen Nordmänner, sondern auf heidnische Inuit. Sie will er nun zum Christentum bekehren, denn seiner Meinung nach bedürfen sie dringend einer „Zivilisierung ihrer Seelen“. Dazu muss er ihre Sprache und ihre Gewohnheiten kennenlernen. Und weil man auf Grönland kein Brot kennt, dichtet er kurzerhand das „Vaterunser“-Gebet um: Aus „Unser täglich Brot gib uns heute“ wird „Unseren täglichen Seehund gib uns heute“.

Gemälde zeigt der Missionar Hans Egede, der kniend neben einem schneebedeckten  Felsen betet
Hans Egede missionierte die InuitBild: Jürgen Sorges/akg-images/picture alliance

Drei Jahre nach seiner Ankunft tauft Egede das erste Inuit-Kind. Er baut eine Kirche und legt mit seiner ersten Siedlung den Grundstein für die spätere Hauptstadt Nuuk. Dort steht seit 1922 eine Statue des norwegischen Missionars, mit dem die unrühmliche Kolonialgeschichte Grönlands begonnen hat – und den viele Inuit wohl gern vom Sockel stoßen würden.

Norwegisch-dänischer Streit: Wem gehört Grönland?

Bei seiner Ankunft auf Grönland hatte der Norweger Egede die dänische Flagge gehisst – was formal nicht verkehrt war: Seit 1380 hatten sich Dänemark und Norwegen zu einer Personalunion zusammengeschlossen, die bis 1814 währte. Nach deren Auflösung blieb Grönland bei der dänischen Krone – was in Norwegen nicht gut ankam.

Der Streit zwischen den beiden Ländern eskalierte, als Norwegen 1931 Teile Grönlands besetzte und – nach Erik dem Roten – „Eirik Raudes Land“ nannte,. Schließlich beendete der Internationale Gerichtshof in Den Haag 1933 die Auseinandersetzung. Er entschied: Ganz Grönland gehört zu Dänemark.

Wie die USA ins Spiel kommen

Die USA sind im 19. Jahrhundert auf Expansionskurs. Sie haben 1803 Louisiana von den Franzosen, 1819 Florida von den Spaniern und 1867 Alaska von den Russen gekauft. Außenminister William Seward würde jetzt auch gern Grönland erwerben; strategisch ist es günstig gelegen, um eventuell auch Kanada übernehmen zu können. Doch der US-Kongress scheut die immensen Kosten für die unbewohnte „Eisregion“. Stattdessen kaufen die USA 1916 Dänisch-Westindien, für 25 Millionen Dollar – die heutigen Virgin Islands. Im Gegenzug garantieren sie, die Herrschaft der Dänen über Grönland zu achten.

Gemälde zeigt Männer die neben einem Globus stehen und Dokumente in den Händen halten
Nach dem Kauf von Alaska (hier im Gemälde festgehalten) hätte William Seward bereits 1867 gern Grönland erworbenBild: Picture History/newscom/picture alliance

Als die Deutschen im Zweiten Weltkrieg Dänemark besetzen, ist die Verbindung zwischen Dänemark und Grönland gekappt. Dänemarks US-Gesandter Henrik Kauffman schließt ein Abkommen mit den USA. Sie sollen die Insel versorgen und vor den Nazis schützen, dafür können die Amerikaner auf der Insel Wetterstationen und Luftstützpunkte errichten. Die Inuit werden nicht gefragt.

Ein Jahr nach Kriegsende bieten die USA Dänemark 100 Millionen US-Dollar in Gold für den Kauf von Grönland, um ihre strategische Position im beginnenden Kalten Krieg zu sichern. Vermutlich hat Präsident Harry S. Truman damals die Monroe-Doktrin im Kopf, die besagt: Alles, was sich auf dem amerikanischen Kontinent befindet, unterliegt dem Einfluss der USA. Und geografisch gehört Grönland zu Nordamerika. Auch die großen Bodenschätze Grönlands machen die Insel attraktiv.

Container und ein Satellitenüberwachungsgerät stehen in verschneiter Landschaft
Die Pituffik Space Base (ehemals Thule Air Base) dient unter anderem zur Überwachung von Raketenstarts und WeltraumaktivitätenBild: Thomas Traasdahl/Ritzau Scanpix/AP

Doch Dänemark lehnt das Kaufangebot ab. 1951 kommt es allerdings zu einer Vereinbarung über den Luftwaffenstützpunkt Thule (heute: Pituffik Space Base), den die US-Amerikaner seitdem uneingeschränkt nutzen können.

Koloniales Unrecht – und der Wunsch nach Unabhängigkeit

1953 wird Grönland dann offiziell von einer Kolonie Dänemarks zu einer dänischen Provinz. Es bekommt zwei Sitze im dänischen Parlament. Erst einmal ändert sich dadurch nicht viel: Dänemark bestimmt, was auf der Arktisinsel passiert. Man versucht, den Einheimischen die dänische Kultur aufzuzwingen, denn die Insel der Jäger und Fischer soll „modernisiert“ werden. Die nomadische Kultur passt da nicht ins Bild, die Inuit werden in größere Orte umgesiedelt.

In  den 1950er-Jahren werden 22 Inuit-Kinder zwangsweise von ihren Eltern getrennt und nach Dänemark gebracht. Die Kinder sollen „dänisch“ erzogen werden und später führende Positionen in Grönland übernehmen. Außerdem ist das Bevölkerungswachstum der Regierung in Kopenhagen ein Dorn im Auge, denn der Unterhalt Grönlands kostet Geld. Bis in die 1970er-Jahre werden daher Zwangsverhütungen durchgeführt – teilweise ohne Wissen und gegen den Willen der Frauen.

Erst 1979 erhält die Insel ein eigenes Parlament und eine eigene Regierung, auch wenn diese zuerst nur wenig Kompetenzen hat. 2009 dann wird Grönland so gut wie autonom. Letztendlich darf Kopenhagen nur noch über die Außen- und Sicherheitspolitik entscheiden.

 Demonstrierende vor dem US-Konsulat  in Grönland tragen Schilder, auf denen steht: "Greenland is not for sale"
In Grönland protestieren die Menschen gegen Trumps ÜbernahmepläneBild: Evgeniy Maloletka/AP Photo/dpa/picture alliance

Am liebsten aber hätten die Grönländer die vollständige Unabhängigkeit von Dänemark. Und was sie auch nicht sein wollen: Amerikaner. Laut aktuellen Umfragen lehnen 85 Prozent der Grönländer einen Beitritt zu den USA ab. Der eisige Gegenwind aus Grönland scheint Donald Trump allerdings bisher nicht zu schrecken.