1. März 2026

Iran kündigt nach Chameneis Tod massive Vergeltung an

Von Admins

Mit brüchiger Stimme verkündete ein Moderator im iranischen Staatsfernsehen am Sonntag um 5.00 Uhr Ortszeit den Tod des geistlichen Oberhaupts Ali Chamenei. Angaben zu den Umständen machte der Sender nicht. Auch die Luftangriffe der USA und Israels auf Chameneis Residenz am Samstag in Teheran blieben unerwähnt.

Die Revolutionsgarden, deren Anführer Mohammed Pakpur auch bei den Angriffen auf die Hauptstadt Teheran getötet wurde, kündigten umgehend Vergeltung an. „In Kürze werden die größten militärischen Einsätze in der Geschichte der iranischen Streitkräfte gegen Israel und US-Stützpunkte in der Region beginnen“, heißt es in einer Presseerklärung der Elitestreitmacht des Iran.

Auch die Regierung in Teheran kündigte harte Vergeltung an. „Dieses große Verbrechen wird nicht unbeantwortet bleiben und ein neues Kapitel in der Geschichte der islamischen Welt sowie des Schiismus aufschlagen.“ Das Blut Chameneis werde „wie eine reißende Quelle hervorquellen und das amerikanisch-zionistische Unrecht und die Verbrechen ausmerzen“. Die Regierung ordnete 40 Tage Staatstrauer sowie sieben arbeitsfreie Tage an.

Für die Übergangsphase soll Präsident Massud Peseschkian gemeinsam mit Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi und einem Juristen des Wächterrats die Führung übernehmen, wie das Staatsfernsehen berichtete.

US-Präsident Donald Trump warnte den Iran vor Vergeltungsschlägen. „Das sollten sie besser nicht tun“, schrieb Trump in Großbuchstaben auf der Plattform Truth Social. Sollte das passieren, werde man „mit einer noch nie zuvor gesehenen Stärke“ zurückschlagen.

Iran greift weiter Länder in der Golfregion an

In der Nacht setzte sich die Gewaltspirale fort. Der Iran feuerte Raketen in Richtung Israel und griff US-Stellungen sowie Verbündete Washingtons im Nahen Osten an. In der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv kam laut Medien eine Frau ums Leben, als eine Rakete in einen Wohnblock einschlug. Dutzende Menschen wurden demnach verletzt.

Die Behörden in den Vereinigten Arabischen Emiraten meldeten zwei Todesopfer durch iranische Angriffe. Auch in Kuwait und Katar wurden mehrere Verletzte registriert. In Bahrain traf ein Raketenangriff nach Behördenangaben das Hauptquartier der Fünfte US-Flotte. Zudem meldeten Behörden Explosionen aus Saudi-Arabien.

Raketeneinschlag über Dubai nach iranischem Angriff
Raketeneinschlag nach iranischem Angriff auf Dubai in den Vereinigten Arabischen EmiratenBild: AFP/Getty Images

In ganz Israel wurde Luftalarm ausgelöst, die Bevölkerung aufgefordert, Schutzräume aufzusuchen. Am Abend waren in Jerusalem, im Zentrum des Landes sowie im besetzten Westjordanland schwere Explosionen zu hören.

Die iranischen Behörden riefen die Bewohner Teherans auf, die Stadt zu verlassen. Der iranische Rote Halbmond sprach bis zum Abend von mindestens 201 Todesopfern und mehr als 740 Verletzten infolge der Angriffe.

Menschen in Teheran feiern und betrauern Chameneis Tod

Noch vor der Bestätigung durch Teheran hatte US-Präsident Trump den Tod Chameneis bekanntgegeben. „Chamenei, einer der bösartigsten Menschen der Geschichte, ist tot“, schrieb der Republikaner auf seiner Plattform Truth Social. Das sei die „größte Chance für das iranische Volk, sein Land zurückzuerobern.“

In Teheran kam es nach den ersten Berichten über Chameneis Tod zu spontanen Jubelszenen. Bewohner berichteten von Menschen, die aus Fenstern schrien und auf den Straßen hupten. Die Nachricht war zunächst auch von Exilmedien verbreitet worden, die im Iran über Satellit empfangen werden.

Menschen trauern auf den Straßen Teherans nach dem Tod des obersten Führers Chamenei
Menschen trauern auf den Straßen Teherans nach dem Tod des obersten Führers ChameneiBild: Atta Kenare/AFP/Getty Images

Gleichzeitig gingen zahlreiche Menschen auf die Straße, um ihre Trauer über den Tod des obersten Führers des Landes zum Ausdruck zu bringen. Die größtenteils schwarz gekleideten Teilnehmer der Kundgebung auf dem zentralen Enghelab-Platz skandierten „Tod den Vereinigten Staaten“ und „Tod Israel“, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Viele von ihnen schwenkten iranische Flaggen und hielten Fotos von Chamenei hoch.

Auch Angehörige Chameneis unter den Toten

Nach Angaben des israelischen Senders Channel 12 wurden am Samstag 30 Bomben auf Chameneis Residenz abgeworfen. Der staatliche israelische Sender Kan berichtete später, seine Leiche sei aus den Trümmern geborgen worden.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte, bei den Angriffen seien zahlreiche führende Vertreter der iranischen Führung getötet worden, darunter „hohe Verantwortliche des Ajatollah-Regimes, Revolutionsgarden und hohe Verantwortliche des Atomprogramms“. Auch Chameneis enger Berater Ali Schamchani sei unter den Toten.

Ein Satellitenbild zeigt die Schäden an der Residenz von Ajatollah Ali Chamenei nach dem Angriff
Ein Satellitenbild zeigt die Schäden an der Residenz von Ajatollah Ali Chamenei nach dem AngriffBild: Pleiades Neo (c) Airbus DS 2026/REUTERS

Mehrere Medien berichteten übereinstimmend, auch Angehörige Chameneis seien ums Leben gekommen. Der Sender Al-Arabiya meldete unter Berufung auf die iranische Nachrichtenagentur Fars, eine Tochter, ein Schwiegersohn, eine Schwiegertochter und ein Enkel seien getötet worden. Eine offizielle Bestätigung aus Teheran stand zunächst aus.

Auf die Frage des Senders CBS News, ob er jemanden an der Spitze des Iran sehen wolle, sagte Trump: „Ja, ich denke schon. Es gibt einige gute Kandidaten.“ Wer nach Chameneis Tod das Sagen habe, wisse er genau, könne es aber nicht sagen.

Irans Oppositionsführer Reza Pahlavi zeigt Victory-Zeichen bei Kundgebung
Bringt sich als Übergangsfigur in Position: Reza PahlaviBild: Michaela Stache/AFP/Getty Images

Der Sohn des 1979 gestürzten Schahs von Persien, Reza Pahlavi, brachte sich erneut als Übergangsfigur ins Gespräch. In der „Washington Post“ schrieb er, viele Iraner hätten ihn gebeten, diesen Übergang zu leiten. Er wolle ihrem Ruf folgen und den Weg zu einer neuen Verfassung ebnen, an deren Ende freie Wahlen stehen sollten.

Angriffe Israels und der USA gehen weiter

Trump kündigte an, die Bombardierungen würden fortgesetzt, bis Frieden in der Region und weltweit einkehre. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bezeichnete die am Samstag begonnenen Angriffe als „tödlichsten, komplexesten und präzisesten Lufteinsatz der Geschichte“.

Netanjahu begründete die Offensive mit dem Schutz Israels vor einer existenziellen Bedrohung durch Teheran. Gemeint seien das iranische Atom- und Raketenprogramm. Es dürfe „nicht zugelassen werden, dass sich das mörderische Terrorregime mit Atomwaffen ausrüstet, die es ihm ermöglichen würden, die gesamte Menschheit zu bedrohen“.

Zerstörung in Teheran nach US-amerikanischen und israelischen Luftangriffen
Zerstörungen in Teheran nach US-amerikanischen und israelischen LuftangriffenBild: Amir Kholousi/ISNA/AFP

Die israelische Luftwaffe setzte ihre Angriffe in der Nacht fort. Nach Angaben der Armee wurden Abschussrampen für ballistische Raketen sowie Luftabwehrsysteme ins Visier genommen.

Auf Antrag Russlands soll es am Montag in Wien eine Sondersitzung der Internationale Atomenergiebehörde geben. Zuvor hatte auch der Iran unter Hinweis auf eine Bedrohung seiner nuklearen Einrichtungen ein Treffen der Behörde gefordert.

Noch am Donnerstag hatten die USA und der Iran indirekt über das umstrittene Atomprogramm verhandelt. Trump hatte Teheran ein Ultimatum bis Anfang März gesetzt und für den Fall des Scheiterns militärische Schritte angedroht.