Inferno von Crans-Montana: Schweiz fliegt Brandopfer aus
Mangels Behandlungskapazitäten in der Schweiz müssen zahlreiche Brandopfer von Crans-Montana ins Ausland verlegt werden. Deutschland ist mit seinen auf solche Fälle spezialisierten Kliniken dabei besonders gefragt. Angeflogen werden unter anderem auch Kliniken in Frankreich und Italien.
Nach der Akutversorgung würden bis Sonntag 50 Schwerverletzte außer Landes gebracht, teilte das schweizerische Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) mit. Für 40 Menschen kam jede Hilfe zu spät – sie starben bei der Katastrophe in dem Alpen-Skiort am Neujahrstag. Die Zahl der Verletzten wurde mit insgesamt 119 angegeben.

„Viele der Verletzten kämpfen immer noch um ihr Leben“, sagte der Regierungspräsident des Kantons Wallis, Mathias Reynard. Manche müssten nicht nur wegen äußerer Verbrennungen, sondern auch wegen Verbrennungen der Atemwege behandelt werden, ergänzten Mediziner. Die Behandlung dieser Verletzungen sei „äußerst komplex und schwierig“ und könne sich über Monate hinziehen. Neben Verbrennungen hätten Personen auch Knochenbrüche davongetragen.
Ermittler: Sprühfontänen setzten Decke in Brand
Das verheerende Feuer war während einer Silvesterparty im Keller der Bar „Le Constellation“ ausgebrochen, wo überwiegend Teenager und junge Erwachsene in Crans-Montana den Jahreswechsel feierten. Laut Zeugenaussagen und der Auswertung von Videos deute „alles darauf hin, dass das Feuer ausgegangen ist von Tischfeuerwerken, von Sprühfontänen, die auf Champagnerflaschen aufgesetzt wurden und zu nah an die Decke gekommen sind“, teilte die Walliser Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud mit.
Der französische Betreiber der Bar beteuerte, dass die Sicherheitsvorgaben in seinem Lokal erfüllt gewesen seien. „Alles wurde in Übereinstimmung mit den Regulierungen getan“, betonte Jacques Moretti. Er kooperiere vollumfänglich mit den Behörden, um die Ursache des Unglücks schnellstmöglich zu klären.
Experte: „Fluchtwegsituation sicher nicht ideal“
Dumeng Wehrli, Präsident der Interessengemeinschaft Brandschutzingenieure Schweiz (IGBS), vertritt die Ansicht: „Die Fluchtwegsituation vom Gebäude war sicher nicht ideal, weil Leute von Untergeschoss – glaube ich – nur eine Ausgangsmöglichkeit hatten.“ Ein einziger Notausgang reiche nur in einem Raum mit bis zu 50 Personen. Bei mehr als 50 seien zwei Notausgänge vorgeschrieben, erläuterte Wehrli. Allein anhand der Opferzahl ist klar, dass sich in den beiden Räumen der Bar mehr als 150 Menschen aufgehalten haben.

Wehrli äußerte sich auch zu den funkensprühenden Fontänen, die die Katastrophe wohl ausgelöst haben: „Pyrotechnische Gegenstände haben aus meiner Sicht im Inneren von Gebäuden nichts zu suchen.“ Problematisch könne zudem das an der Decke der Bar verbaute Material gewesen sein. Dafür gebe es klare Vorschriften, dass dies nicht leicht entflammbar sein dürfe.