1. März 2026

Können die USA ihre militärischen Ziele im Iran erreichen?

Von Admins

Nachdem Israel am Samstagmorgen „präventive Schläge“ gegen Ziele im Iran geflogen hatte, erklärte US‑Präsident Donald Trump in einer Videobotschaft auf seinen sozialen Netzwerk Truth Social, dass nun auch US-amerikanische Streitkräfte den Iran angreifen. „Unser Ziel ist es, das amerikanische Volk zu schützen, indem wir unmittelbare Bedrohungen durch das iranische Regime ausschalten“, sagte Trump. Die USA würden Irans nukleare und militärische Fähigkeiten „zerstören“ und sicherstellen, dass „Iran niemals eine Nuklearwaffe erhält“.

Zu den definierten Zielen der Operation gehören die Ausschaltung des iranischen Atomprogramms, die Zerstörung des ballistischen Raketenprogramms, die Vernichtung der iranischen Marine und die Schwächung oder der Sturz des politischen Systems in Teheran.

Angesichts der teils militärischen, teils politischen Ziele rechnen Expertinnen und Experten mit einem länger andauernden Konflikt.

Ziel 1: Iran darf keine Atomwaffen besitzen

Nach dem zwölftägigen Krieg zwischen Iran und Israel im Juni 2025 erklärte Trump, die USA hätten Irans zentrale Atomanlagen „ausgelöscht“. Heute verfolgt Washington dasselbe Ziel erneut.

Für Marcus Schneider, Analyst der Friedrich‑Ebert‑Stiftung (FES) in Beirut, ist die Atomfrage nur ein Vorwand. Schon im Juni 2025 war klar, dass das Programm nur zurückgeworfen wurde, aber nicht dauerhaft ausgeschaltet ist. „Die Expertise ist im Iran vorhanden. Wenn der Iran in der Lage ist, Zentrifugen zu bauen und Uran anzureichern, kann das nicht allein durch Luftangriffe beseitigt werden.“

Satellitenbild zeigt Krater an Irans Atomanlage Fordow nach US-Bombardierung
Ein Satellitenbild zeigt Krater an Irans Atomanlage Fordow nach der US-Bombardierung im Juni 2025Bild: Maxar Technologies/AFP

Auch Diba Mirzaei vom GIGA-Institut in Hamburg bezeichnet das Atomthema im Gespräch mit der DW als „einen Vorwand, um den Krieg zu rechtfertigen“. Sie fügt hinzu: „Derzeit ging vom Iran in dieser Hinsicht praktisch keine Gefahr aus.“ Tatsächlich hatte der Iran seit dem Juni 2025 vor allem den Wideraufbau seiner Raketenstellungen, nicht aber den des Atomprogramms forciert.

Ziel 2: Ausschaltung des ballistischen Raketenprogramms

Viele Expertinnen und Experten halten Irans Raketenfähigkeiten für die viel größere Bedrohung. Im Vorjahr zeigte Teheran, dass es israelische und US‑Einrichtungen in der Region treffen kann.

Der italienisch‑iranische Analyst Shahin Modarres erklärt gegenüber der DW: „Produktionsstätten, Lager und Lieferketten können getroffen werden, wie die jüngsten Angriffe zeigen. Aber technologisches Know‑how lässt sich nicht wegbomben.“ Eine vollständige Auslöschung sei „unwahrscheinlich“, eine starke Schwächung aber „denkbar“.

Rauchwolken über Teheran
Explosionen in Teheran nach Beginn der US-israelischen MilitäroperationBild: Salampix/abaca/picture alliance

Auch Schneider sieht Grenzen des Möglichen: „Es handelt sich um eine einheimische Industrie. Iran hat bewiesen, dass es Raketen selbst herstellen kann. Man kann das Arsenal zerstören, aber die Frage ist, wie lange das dauert – und welchen Preis es fordert.“

Ziel 3: Zerstörung der iranischen Marine

Militärisch sei dieses Ziel grundsätzlich erreichbar, sagt Schneider, doch Iran verfüge über zahlreiche kleine Schnellboote: „Das ist nichts, was in einer Woche erledigt ist.“

Modarres erinnert an eine historische Parallele. Bereits 1988 hatten die USA mit der Operation ‚Praying Mantis‘ Irans Seestreitkräfte schwer geschädigt. Er glaubt, dass die USA dem freien Schiffsverkehr Priorität einräumen und bei dessen Gefährdung durch den Iran einen großen Angriff rechtfertigen würden. Dabei ist die Straße von Hormus, das Nadelöhr zwischen Persischem Golf und Golf von Oman, besonders bedeutsam. Durch sie muss ein Großteil des im Nahen Osten produzierten Öls transportiert werden.

Auch Sara Kermanian von der University of Sussex hält eine „massive, kurzfristige Schwächung“ der Marinekapazitäten Irans für wahrscheinlich.

Ziel 4: Sturz des iranischen Regimes

Es ist unklar, wie Trump dieses Ziel, dass nicht nur militärisch, sondern auch ein politisches ist, ohne Bodentruppen erreichen will. Die aktuellen Luftangriffe deuten darauf hin, dass Washington und Tel Aviv eine strukturelle Schwächung des Systems anstreben. In seiner Rede wandte sich Trump direkt an die iranische Bevölkerung: „Wenn wir fertig sind, übernehmt ihr eure Regierung. Das wird vielleicht eure einzige Chance für Generationen sein.“

Modarres hält erneute Massenproteste für möglich, allerdings nur, wenn ein einschneidendes Ereignis wie ein „tiefgreifender systemischer Zusammenbruch“ eintritt. Trumps Angebot einer Amnestie an die Revolutionsgarden deutet er als Versuch, „Eliten zur Abspaltung zu bewegen“. Ohne eine solche Zäsur, die nicht abzusehen ist, hält er einen spontanen Aufstand für unwahrscheinlich.

Stoppschild nahe dem Kapitol in Washington
Können die USA das iranische Regime stoppen?Bild: Kevin Dietsch/AFP/Getty Images

Auch Schneider ist skeptisch, dass die USA und Israel das Ziel mit Luftangriffen allein erreichen: „Ein Regime‑Change wird normalerweise mit Bodentruppen durchgesetzt. Die Vorstellung, dass die Bevölkerung mitten im Krieg aufsteht, halte ich für unrealistisch.“ Ob Trump oder das Regime den längeren politischen Atem hat, hält Schneider nicht für ausgemacht. „Es besteht die Möglichkeit, dass die USA in einen anderen sogenannten endlosen Krieg gezogen werden.“

Für die Bevölkerung könnte das ernste Folgen haben, sagt Forscherin Sara Kermanian der DW: „Ein verwundeter, aber intakter Staat könnte mit stärkerer Repression reagieren – besonders, wenn Teile der Gesellschaft als ‚Unterstützer‘ für den Druck von außen wahrgenommen werden.“

Zusätzliche Berichterstattung: Niloofar Gholami, Kersten Knipp

Der Beitrag wurden vom Englischen ins Deutsche adaptiert.