SIPRI: Vor allem Europa rüstet auf
Der Rüstungsmarkt boomt. In den vergangenen fünf Jahren stiegen die globalen Waffenlieferungen um knapp zehn Prozent im Vergleich zum vorherigen Fünfjahres-Zeitraum. Das geht aus dem neuen Bericht des angesehenen Stockholmer Friedensforschungsinstituts – kurz SIPRI – hervor.
Das weltweite Geschäft mit Rüstungsprodukten erreicht mittlerweile in etwa wieder das Volumen, das es bis zum Ende des Kalten Krieges 1989 hatte. Zwischenzeitlich hatte es sich bis in die Jahre nach der Jahrtausendwende deutlich abgeschwächt, um rund ein Drittel.
Bemerkenswert ist der Blick auf die Weltregionen, in denen Waffen importiert wurden. Im neuen SIPRI-Bericht ist Europa der wichtigste Raum für Waffenimporte. Zwischen 2016 und 2020 waren Asien und Ozeanien (42 Prozent aller Importe) und der Nahe Osten (32 Prozent) die wichtigsten Import-Regionen. Europa folgte mit zwölf Prozent geradezu abgeschlagen an dritter Stelle.
Europäische Waffenimporte als Treiber
Mittlerweile hat sich das verschoben. Europa hat seine Rüstungsimporte nahezu verdreifacht und steht nun im weltweiten Vergleich mit einem Anteil von 33 Prozent an erster Stelle. Dem folgen Asien und Ozeanien (31 Prozent) und der Nahe Osten (26 Prozent). „Der starke Anstieg der Waffenlieferungen an europäische Staaten hat die weltweiten Waffenlieferungen um fast zehn Prozent in die Höhe getrieben“, sagt Mathew George, einer der Autoren der neuen SIPRI-Studie.

Dabei ist es nun nicht mehr nur die Ukraine selbst, die das Geschäft pusht. Die Lieferungen an das um seine Existenz kämpfende Land galten seit 2022 und bis 2024 als der offensichtlichste und maßgebliche Faktor für den Anstieg der europäischen Rüstungskäufe. „Auch die meisten anderen europäischen Staaten haben begonnen, deutlich mehr Waffen zu importieren,“ erklärt SIPRI-Experte George, „um ihre militärischen Fähigkeiten angesichts der wahrgenommenen wachsenden Bedrohung durch Russland zu stärken.“
Im Fünf-Jahres-Vergleich haben sich die Waffenimporte der europäischen Staaten mehr als verdreifacht. Der Markt – so könnte man sagen – spiegelt die wachsende Kriegsangst in Europa.
Weniger US-Lieferungen an die Ukraine
Laut SIPRI war das Volumen der US-Waffenlieferungen an die Ukraine im Jahr 2025 deutlich geringer als in den beiden Vorjahren. Mit seiner erneuten Übernahme der US-Präsidentschaft hat Donald Trump die Militärhilfe seines Landes für Kyjiw reduziert. Selbst wenn Verbündete der Ukraine, seien es europäische Staaten, Australien oder Kanada, daraufhin gemeinsam große Mengen an schweren Waffen wie Luftabwehrraketen aus den USA kauften und der Ukraine zur Verfügung stellten, zählt SIPRI sie als US-Waffenexporte in die Ukraine. Dennoch sorgte nicht mehr die Ukraine für den weiteren Anstieg der Importe nach Europa.
Denn die empfundene Bedrohung durch Russland und Trumps Mahnungen an die Europäer kurbelten auch die Nachfrage der europäischen NATO-Staaten nach Waffen kräftig an. Laut Bericht stiegen die Waffenimporte der derzeit 29 europäischen NATO-Staaten zwischen 2016 – 2020 und 2021 – 2025 um 143 Prozent an.

Der größte Waffenimporteur unter den europäischen NATO-Staaten ist Polen, das direkt an die Ukraine und an Belarus grenzt. Das Land steht in dieser Gruppe für 17 Prozent aller Importe. Das entspricht einem Anteil von 3,6 Prozent an den gesamten globalen Waffenimporten. Die wichtigsten weiteren Importeure waren das Vereinigte Königreich (2,1 Prozent weltweit) und die Niederlande (1,8 Prozent).
Die Besorgnis, aber auch die Entschlossenheit Polens verdeutlicht besonders der Blick auf den Fünf-Jahres-Vergleich. Der Umfang der polnischen Waffenimporte war 2021 – 2025 mehr als achtmal so hoch wie 2016 – 2020. SIPRI verzeichnet einen Anstieg um 852 Prozent.
Die USA als der führende Exporteur
Nach wie vor sind die USA für die Ukraine der wichtigste Waffen-Lieferant und für die europäischen Staaten einer der wichtigsten mit Südkorea. Global gesehen legten auch europäische Staaten wie Frankreich, Italien und Deutschland bei ihrer Rolle als Waffenexporteur zu.
Deutschland überholte, auch wegen seiner Ukraine-Waffenhilfe, in den vergangenen fünf Jahren China und wurde mit einem Anteil von 5,7 Prozent am Weltgeschäft zum viertgrößten Waffenexporteur. Der Waffenhandel ist eben auch ein Geschäft und Wirtschaftsfaktor.

Die Rolle der USA als „global dealer“ beim Thema Rüstung wächst. Im Zeitraum 2021 – 2025 stemmten sie laut SIPRI 42 Prozent aller internationalen Waffenlieferungen – gegenüber 36 Prozent im Zeitraum 2016 – 2020. US-Lieferungen gingen in insgesamt 99 Staaten. Der für die Waffenexporte zuständige SIPRI-Experte Pieter Wezeman meint dazu: „Die USA haben ihre Dominanz als Waffenlieferant selbst in einer zunehmend multipolaren Welt weiter gefestigt.“ Die USA sähen unter Trump eben Waffenexporte als Instrument der Außenpolitik und als Mittel zur Stärkung ihrer Rüstungsindustrie.
Global gesehen schlagen politische Spannungen und Rivalitäten stets auf die Rüstungsgeschäfte durch. Sowohl Indien, in angespannter Nachbarschaft mit China und Pakistan, als auch Pakistan legten in Asien deutlich zu. Beide Staaten gehörten während der vergangenen fünf Jahre zu den zehn größten Waffenimporteuren weltweit.
Der Nahe Osten kauft
Wie weit die aktuellen Erschütterungen im Nahen Osten dem regionalen Rüstungsgeschäft Auftrieb geben, lässt sich nur vermuten. Zwar gingen die Waffenimporte der Staaten im Nahen Osten in den vergangenen fünf Jahren um insgesamt 13 Prozent zurück.

Aber nach wie vor zählen drei Länder der Region zu den zehn weltweit größten Waffenimporteuren: Saudi-Arabien (6,8 Prozent der weltweiten Importe), Katar (6,4 Prozent) und Kuwait (2,8 Prozent). Es ist kaum zu erwarten, dass diese Werte in den nächsten Jahren zurückgehen werden.